Samstag, 2. Mai 2009

USA-Fazit

Da bin ich wieder zurück aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten – leider jedoch war ich nicht im Land der unbegrenzten Geschwindigkeiten… da ist so eine Straße so breit, dass problemlos 3 LKW nebeneinander passen, noch dazu geht sie eeeeewig gradeaus, und dann darf man max. 75 Meilen/Std. fahren; versteh sowas mal einer!

Auch ansonsten: Ein Urlaub dem Alter entsprechend (ich liebe ja zelten und trampen und all das Ungeplante, was da wunderbarerweise auf einen zukommt, aber manchmal fühl ich mich echt alt. Vor allem, wenn ich dringend der Arbeit wegen Urlaub brauche…) und doch gänzlich anders als gewohnt. Ein Land dem hiesigen so ähnlich und doch sowas von ganz anders, dass man aus dem Staunen nicht wieder raus kommt.
Ich war ja auch „nur“ in Florida unterwegs, und überhaupt ist alles sehr subjektiv und hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, trotzdem hier eine Liste, was ich am wunderlichsten fand:

1. Der Amerikaner an sich scheint noch fauler als ich zu sein: Es wird selbstredend kein einziger Meter zu viel gegangen, es gibt Utensilien, die das Leben erleichtern (zB einen Fleisch-für-die-Burger-in-die-richtige-Fladengröße-Presser oder auch Sandwich-in-lustige-Form-Bringer, die zugleich den lästigen „Brot“-Rand entsorgen…) und Postkarten schreiben scheinbar nur bekloppte Touristen, d.h. außerhalb von Hochburgen habe ich keine einzige Postkarte gesehen, Briefmarken gibt es sowieso nur bei der Post und selbst dort mussten sie extrem lange suchen

2. Der Einkauf wird in total dünnen Plastiktüten verpackt, die schnell reißen. Und schwere oder sperrige Sachen werden dementsprechend halt in zwei Tüten gesteckt. Je mehr Tüten, desto besser. Wenn man keine Tüten möchte oder nur ein oder zwei für alles (eigentlich wird alles schön aufgeteilt nach Zugehörigkeit), wird man angeschaut wie ein Außerirdischer.

3. Getränke zum Mittagessen gibt es in der Regel mit „Refill“ also zum Wiederauffüllen. Trotzdem gibt es zwei Größen (wobei „small“ so groß ist wie hierzulande „extralarge“). Macht Sinn, wenn man zB im DriveThru ist (es gibt das übrigens auch bei Banken und Apotheken, das aber nur nebenbei und siehe Punkt 1) und schlecht nochmal vorbeifahren kann zum Wiederauffüllen, trotzdem wird gerne auch sonst lieber der große Becher bevorzugt.

4. Der Kunde ist nicht König, sondern Kaiser und überhaupt sind alle Menschen in der Regel superfreundlich: Zweimal haben wir abends vor einer bereits geschlossenen Burgerkette angehalten, um nur aufs Klo zu gehen – und wurden hereingelassen. Und als wir etwas verplant in Miami auf der Straße standen, wurden wir von der gegenüberliegenden Straßenseite aus angebrüllt und wähnten uns sofort einem Überfall nahe, derjenige wollte uns jedoch bloß helfen.

5. Alles, was man aus dem Fernsehen über amerikanische Lebens- und Bauweise kennt, ist kein Klischee, sondern bittere Realität: Diese bewachten und umzäunten Wohnanlagen mit den ordentlich nebeneinander aufgereihten Häuschen, dem Superduper-Plüsch-Teppich, dem Essensreste-Häxler in der Spüle, dem Meeeega-Kühlschrank samt Eiswürfelspender und –crusher, der kitschigen Einrichtung…

6. Es wird so unglaublich viel Müll produziert und es gibt alles fertig kaufbar uns anschließend zum Wegwerfen und doch sind die Straßen wunderbar sauber (zumindest die Highways und anderen großen Straßen) – es gibt allerdings auch hohe Strafen für diejenigen, die es wagen sollten, was auf die Straße zu werfen!

7. Rauchen ist schrecklich verpönt und deswegen hab ich eigentlich auch niemanden dort rauchen sehen – das wurde mir allerdings besonders schmerzlich deutlich, als wir in Frankfurt direkt aus dem Flughafen in eine riesige Wolke liefen…

8. Die Werbung im Radio und vor allem im Fernsehen ist abartig lang und kommt dreimal öfter als bei uns. Filmgucken macht so überhaupt keinen Spaß! Sie kommt sogar vor dem Abspann! Noch dazu wird nur dumm gelabert und dass extrem schnell und dementsprechend viel. Ich frage mich ernsthaft, wie einem da ein Produkt im Hirn hängen bleiben kann. Es wird übrigens auch einfach alles beworben: Auf dem Highway haben wir ein Riesenplakat für Vasektomie gesehen.

9. In Deutschland nutzen vor allem die Leute mit zu wenig Geld die Angebote aus den Blättchen, dort gibt es für alles Voucher und alle sind miteinander kombinierbar und wenn du zwei nimmst, wird’s eh billiger und dann gibt’s noch einen gratis dazu… kompliziert, lohnt sich aber sehr und jeder nutzt es auch. Für den einen Park konnten wir den Gutschein schlecht ausdrucken, es reichte sogar, dass wir ihn gesehen hatten.

Wer es noch nicht ahnt: Ich kämpfe noch etwas mit dem Jetlag… gestern habe ich mich tapfer fast den kompletten Tag außer zwei mickrigen Stunden wach gehalten (und wir sind bereits um 7.00 AM gelandet!) und jetzt kann ich trotzdem nicht mehr pennen… und das nach bereits zwei Nächten mit viel zu wenig Schlaf :(

Fotos gibt es übrigens erst später. Ist nicht so leicht, aus 1808 (ohne die der Kameras der Mitfahrerin) welche rauszusortieren… ich weiß schon, warum ich bis vor kurzem keinen digitalen Blödsinn wollte, argh!!!!

Was übrigens das Tollste war: Sämtliche Allergiebeschwerden weg :)

Kommentare:

  1. Die spinnen die Gallier, äääh die Amerikaner...

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  2. ich bin am 15.4. aus den usa zurückgekommen und stimme dir in allem vorbehaltlos zu.
    da sieht man doch wieder die "deutsche Seele"...d.h. es ist erstaunlich wie bestimmte dinge wie mülltrennung und anderes in unseren gedanken und Verhaslten verwurzelt sind.

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  3. Wie wahr, wie wahr... ;-)
    Und trotzdem oder gerade deswegen sehr schön, einen "Leidensgenossen" zu hören!

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  4. Die "Leidensgenossin" litt auch ne ganze woche am jetlag....
    aber trotzdem war es das alles wert.... unbedingt....
    ist schon ein tolles erlebnis

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  5. Eine Woche nur?? Gepaart mit Partystress am darauffolgenden WE war es der reinste Schlaf-Horror ;-)
    Hat sich aber wirklich sehr gelohnt!

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