Sonntag, 31. Oktober 2010

Fazit Madrid

Ich war das erste Mal ganz alleine unterwegs. Ich hatte ein wenig Angst, dass ich mich langweile, dass ich mich mit mir selbst streite und vor allem, dass ich niemandem zeigen/erzählen kann, was ich grad tolles sehe oder erlebe. Davor, das mich einer "wegklauen" könnte oder ähnliches, hatte ich dafür überhaupt keinen Schiss. Oder dass ich mich in der Stadt nicht zurecht finde. Am schlimmsten war aber die Vorstellung, dass ich dauernd, non-stop, etwa 18 Std. am Tag ganz alleine Entscheidungen treffen muss. Und sie dann auch selbst ausbaden muss, ohne dass ich jemand anderem für die Situation die Schuld in die Schuhe schieben kann ;-)


Was soll ich sagen?! Bis auf Letzteres waren alle Sorgen gänzlich unbegründet! Ich habe nicht angefangen, mit mir selbst zu reden ;-) Ich habe mich bestens mit mir selbst verstanden und habe es genossen, nicht jede Entscheidung vorher dreimal durchdiskutieren zu müssen, sondern dass ich spontan links abbiegen könnte, nur weil es da so nett aussah, obwohl ich doch eigentlich grad auf dem Weg ganz woanders hin war! Und über die obskuren Erlebnisse hab ich einfach Liste geführt, damit ich sie jetzt EUCH erzählen kann :D


1. auf dem Frankfurter Flughafen riechen die Klos wie ein Duft vom Body Shop, nach Moringa. Und die Produkte dort sind bekanntermaßen nicht die günstigsten.
2. im Parque de oeste gibt es scharenweise diebische Elstern, dabei sieht man die Viecher bei uns so selten
3. mir scheint, ich ahbe zu vile Mumien-Gruselfilme gesehen; als es in dem einen Raum im Templo de Debod überraschend klickt (weil der Dia-Projektor durch mein Eintreten aktiviert wird), erwarte ich massenhaft Scarabäen (dabei hab ich grad gelesen, dass die gar keine Menschen angreifen oder gar fressen, sondern nur Mistkugeln vor sich herrollen...)!
4. manchen Schwulen erkennt man auf einen Blick, weil sie wie ein schickerer Zwillingsbruder des YMCA-Polizisten aussehen und sich wie ein Mädchen hinsetzen ;-)
5. Freddie Mercury lebt!!! Ich habe ihn gesehen! Er wurde als Asiate wiedergeboren: der Schnäuzer, der Überbiss und die Sonnenbrille sind geblieben :)
6. die Innenstadt Madrids ist RICHTIG sauber, selbst nach dem Rastro wird alles gewissenhaft aufgeräumt
7. Holländisch und Afrikaans klingt quasi gleich und so kann man sich problemlos verständigen, selbst wenn der eine das eine und der andere das andere spricht
8. in einem Hostel muss man a) sehr jung sein, b) keine Schädigungen von Drum&Bass-hörenden Mitbewohnern davongetragen haben oder c) sehr gutes Ohropax dabei haben
9. wenn ICH ein Hostel hätte, würde ich nicht ohne anzuklopfen in ein Zimmer reingehen. Schon gar nicht nachts. Und wenn ich es wirklich dringend müsste, wäre ich wenigstens leise!!
10. sitzt man in einem höchstens mittelklassigem Touriflieger auf einem Mittelplatz ohne zu wissen, wohin mit den Beinen (höchstens vielleicht schräg unter den Nachbarsitz, weil sich der Nachbar selbst so bequem an die Flugzeugwand anschmiegt) oder eine Schulter zum Anlehnen, ist es äußerst praktisch, wenn man so fett ist, dass man seinen Kopf auf der eigenen Brust ablegen kann, ohne dass man Nackenstarre oder Verrenkungsschmerzen bekommt!

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