Donnerstag, 9. Mai 2013

Drei Damen im "Il Mezzogiorno"


Seit ich neulich in Köln war, bin ich mir sicher, es liegt an der Stadt, dass Frau Nessy immer wieder so heiter-betrüblich-faszinierende Geschichten aus dem Leben erlebt. In Kassel gibt es sowas scheinbar nicht. Aber in Köln eben auch!

Ich war schon früh morgens angekommen und musste mir die Zeit verdaddeln, bis die alte Mitbewohnerin von der Arbeit kam. Mittags hatte ich überraschenderweise Hunger, aber keine Lust auf Fraß auf die Hand, so landete ich irgendwann im "Il Mezzogiorno" in der Breiten Straße. Kleiner, unscheinbarer Laden mit lecker Essen für günstig, serviert von echten (!!!) Italienern. Allein letzteres ist eigentlich schon eine Geschichte wert...

Noch viel spannender waren allerdings die drei Damen, die neben mir am Tisch saßen, lediglich durch eine 1m große Durchgangslücke von mir entfernt. Ich kam also gar nicht umhin, alles mitzubekommen...

Tochter, Mutti und Inge also am Nebentisch. Ob sie denn noch eine Vorspeise zu den drei Kalbslebern wünschen fragt der Kellner. Einstimmiges und bestimmtes "Nein!", denn sie wollen schließlich noch Nachtisch! "Grazias!"

Nun aber erst mal "Prost! Auf Inge! Schön, dass du den weiten Weg aus Godesberg gefunden hast" sagt die Tochter. Die jungen Hüpfer mit Rosé, Mutti mit Tee.

Inge hat natürlich auch ein Geschenk mitgebracht, für Mutti, die grad im Januar eine 1cm große Tumor-OP gut hinter sich gebracht hat. "Da wird die Mutti gleich quietschen!" Sagt's und überreicht eine Blümchentüte mit belgischen Pralinen drin. Mutti: "Ach, dankeschön! Aber aus dem Alter, wo ich vor Freude quietsche, wenn ich ein Geschenk bekomme, bin ich raus."
Mutti ist übrigens geschätzte 90.
Um genau zu sein, ist sie allerdings 102 wie sich später herausstellt!

Nachdem die Tochter
(die ja dann auch mindestens 80 sein muss) von ihren künstlichen Hüftgelenken berichtet hat, kommen sie über den Regierungssitz Bonn auf technische Möglichkeiten zu ihrer Studienzeit. "Da sind wir morgens gerne mal vor Beginn um viertel nach 8 gegenüber in den "Schnutzigen Löffel" auf ein Kölsch eingekehrt. "Das war eine schöne Zeit" sagt die Tochter und fragt dann aber "Inge, watt sachste zu den politischen Querelen in Korea zur Zeit?"

"Handy, Festnetz, Email - also manchmal bin ich ja schon überfordert, wenn mich die Leute dauernd erreichen wollen." Darauf Inge: "Also bei mir wissen die Leute, dass ich abends erst ab halb 7 zu Hause bin. Oder früh morgens."
Tagsüber ist sie nämlich oft schwimmen. Zusammen mit Frau Sommer hat sie eine Jahreskarte.


"79/71 waren wir mit einer ganz großartigen Clique (doch, so hat die Tochter das formuliert!) in Zermatt zum Skikurs. Da haben wir immer den einen bestimmten Wein getrunken. Schon vor dem Abendessen, so dass wir mit leichter Schlagseite am Portier vorbei gingen, um uns zum Abendessen umzuziehen und nach dem Essen ging es weiter. Und dann haben wir es geschafft, dass überall in Zermatt nach einer Woche dieser Wein ausverkauft war! Kannst dir ja vorstellen, was das für ein toller Urlaub war!"

Als ich nach einer Stunde gehe, hat Inge (dessen 8 Jahre jüngerer Bruder damals mit 85...) schon einen ordentlichen Schwips und muss sich laufend das gerötete Gesicht mit der Serviette abtupfen.

Schade, dass ich so feige war, um nach einem Foto dieser drei großartigen Damen zu fragen! Wahrscheinlich wären wir jetzt Freunde bei Facebook...

Ansonsten: Schönen Feiertag und ein hoffentlich entspanntes und langes WE!
   

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen