Sonntag, 23. Juni 2013

Tutorial: Sportlicher Horst


Heute verrate ich, wie man ein prima Kostüm für ein Kickermännchen bastelt. Fasching ist zwar vorbei, die Saison geht allerdings auch in 141 Tagen schon wieder los und vielleicht kommt ja jemand noch vorher in die Versuchung, zB bei so was wie dem Hessentagsumzug mitmachen zu MÜSSEN (…) oder auch einen (Kinder-)Geburtstag zu feiern. Also:

Als erstes wirft man einen Blick in seinen Kleiderschrank. Findet sich darin ein entbehrbares weißes  T-Shört? – Nein, nicht so schlimm, die gibt’s fast überall zu kaufen. Und wie sieht es mit einer kurzen schwarzen Hose aus, die zumindest im weitesten Sinne sportlich wirkt (also nicht zu eng, zu schlabberig, ohne oberschenkelvoluminisierende, aufgesetzte Taschen)? Auch nicht? Das… ist schlecht, denn ich sag euch gleich, das macht keine Freude, eine zu finden, denn schwarz ist bekanntermaßen immer sofort ausverkauft. (Vor allem, wenn es warm war/ist. Und es war verdammt warm, falls ihr das nicht bemerkt haben solltet.) Oder aber sie hängt aus einem nachvollziehbaren Grund noch an der Stange.

Wenn ihr dann auch das geschafft haben solltet, ist meiner Meinung nach das Schlimmste vorbei. Stellt sich nur noch die Frage nach sportiven Socken in Schwarz oder Weiß. Klar, die kriegt man überall im 7er-Bündel zu kaufen, nur was macht man damit anschließend? Also fiel meine Wahl auf den Jay; auf den ist Verlass in so was. Und bestimmt hat jeder einen Jay im Freundeskreis! (Meiner allerdings teilte mir doch glatt mit, er sei dabei, die Dinger langsam aus seinem Schrank zu schmeißen… na so was! Das macht Hoffnungen Allerdings hoffe ich nun auch, dass ich nie mehr Tennissocken brauche, sonst hab ich ein Problem!)
Für die Kicker-Stange braucht man noch ein nicht allzu dickes Schaumstoffisolierungsrohr aus dem Baumarkt, eine Papprolle aus der Küchenrolle bzw. zwei Klorollen, schwarzes Krepppapier (mit vier „p“ – woohoo!), breiten Tesafilm, eine Schere sowie Heißkleber oder besser anderen schnell und stark haltenden Kleber.
Die Papprolle hab ich einmal halbiert, um zwei zu haben und dann längst mittig durchgeschnitten, denn die Papprolle war etwas größer im Umfang als das Schaumstoffrohr. An den Enden des Schaumstoffrohres hab ich Heißkleber aufgebracht – der sich  erst mal ordentlich in die Isolierung fraß, SO heiß ist er… wer hat, nimmt also vielleicht so was wie Patt.ex, ansonsten tut es auch eine zweite Schicht Heißkleber auf die erste, das Rohr schmilzt nicht komplett ein. Fix die aufgeschnittene Pappe drumgewickelt, aber wirklich nur knapp auf dem Rohr sitzend, ich wollte das Rohr dadurch noch verlängern. Wenn alles abgekühlt ist, etwas Papierrest zur Verstärkung in die Papprolle stopfen und dann alles ordentlich mehrmals mit dem Krepppapier umwickeln. Ich hab mir von der ganzen Krepppaierstange ein etwa 4cm breiteres Stück abgeschnitten als die Papprolle lang ist, so kann der überstehende Rest dann einfach in die Papprolle reingesteckt werden (so wie beim Gläser einwickeln für den Umzug, ihr wisst schon!). Hinterher das ganze gut mit dem breiten Tesa umkleben, dann ist es schon fertig und sollte vor allem auch wassergeschützt sein.
Auf das T-Shirt hab ich dann eine kleine 1 vorne auf Brusttaschenhöhe appliziert und hinten eine ordentlich große. Wie man appliziert, ist hier sehr gut erklärt. Weil ich faul bin und es fix gehen sollte, hab ich als Applizierstoff übrigens Fleece genommen. Der franst nicht aus, weswegen es ausreicht, die Zahlen mit Gradstich festzunähen. Geht viel schneller und man benötigt auch keine Vlieseline zum Drunterlegen. Dennoch: Jerseynadel nicht vergessen!
Ach so, schwarze Turnschuhe hab ich ganz vergessen – aber die hat doch bestimmt jeder, oder? Also bei mir gehören sie zur Standardausrüstung. Weiß ginge natürlich ebenfalls.
Fehlt noch der Ball, sonst fragt sich womöglich jeder, warum dein Sportler da solch seltsames Ding im Rücken hat… ich hab nach Edeltrauds Anleitung eine weiße Luftballonhülle genäht (Achtung, auf den Fadenlauf achten, sonst sieht der Ball womöglich aus wie ein Ei!), an der Öffnung einen Kamsnap angebracht, das Gegenstück auf ein Stück Filz und letzteres durch die Schnürbänder des einen Schuhs gefädelt. So kann der Ball dort festgesnapt werden. Weder ist der Ball zu schwer, noch rollt er dauernd weg. (Wer natürlich Profidribbler ist, muss sich um solch Firlefanz keine Sorgen machen und nimmt einfach einen echten Ball!)
Ich hab übrigens deswegen einen weißen Ball genäht, weil unsere Kickerbälle i.d.R. weiß sind. Wer Langeweile hat, kann sich natürlich auch ein Schnittmuster für lauter schwarz-weiße Oktaeder ausdenken ;-)
So, und wo kommt nun die Stange hin? Dazu zieht man am besten das Shört an und lässt sich die Höhe von einem Gehilfen markieren. Beim echten Kicker sind sie etwa auf bauchhöhe, vornehmlich finde ich jedoch, dass es halbwegs bequem zu tragen sein sollte. Also hat der Mann ??? markiert, ich hab dann kleine (!!!) Schlitze ins Shört geschnibbelt (auch Jersey franst ja nicht aus) und da die Stange einfach durchgesteckt. Wem das Rohr etwas zu labberig runterhängt, kann in der Mitte noch ein 30-40cm langes Rundholz in der Isolierung fixieren, dann ist es etwas stabiler, man kann die Stange aber dennoch nicht jemandem um die Ohren hauen ;-)
Fertig zum Zum-Horst-machen  
 Übrigens, da wo ich her komme, heißt Kickern "Krökeln"! Eigentlich find ich das Wort ja viel schöner, aber leider, leider gewöhnt man sich schnell um, wenn einen niemand versteht… Das ist wie mit Mettbrötchen oder Krapfen *seufz*

P.S. Soooo schlimm war der Umzug dann übrigens doch nicht. Warum sich den diese Massen an Menschen angeschaut haben, ist mir allerdings ein Rätsel...

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